"Leider muss ich euch die traurige Nachricht überbringen, dass unser Vereinsmitglied Michael Greiner am Wochenende tödlich in den Bergen verunglückt ist. Er ist zu einer Wanderung aufgebrochen und dabei abgestürzt." schrieb Evi in der Whats-Gruppe unseres Vereins. Das ist nun 2 Wochen her. 3 Tage zuvor wurde Michael von seinem Chef als vermisst gemeldet und am darauffolgenden Tag tot aufgefunden. Seit dem ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an Greini dachte und versuchte, das, was passiert ist, zu verarbeiten. Bislang kann ich es jedoch weder Verstehen noch Akzeptieren.
Greini erlernte das Schachspiel als Schulkind bei uns im Verein. Mit steigenden Anforderungen durch die Schule verabschiedete sich Greini zunächst für viele Jahre vom SSC Annaburg. Vor gut drei Jahren kehrte er recht plötzlich in den Verein zurück. Nach einem Gespräch zwischen Evi, ihm und mir überlegte er nicht lange und trat sofort ein. Generell habe ich Greini als Menschen kennengelernt, der seinen Worten, Ideen und Plänen unmittelbar Taten folgen ließ. Was er machte, machte er mit voller Begeisterung und Hingabe. So trat er im April 2023 nicht nur wieder in den Verein, er meldete sich auch direkt für sein erstes Turnier an, die BEM Halle. Ich erinnere mich noch, dass Dirk schnell die Vereinsaufnahme abwickeln und ihm eine Spielgenehmigung beschaffen musste, damit er dieses Turnier überhaupt mitspielen durfte.
Greini etablierte sich auf Anhieb in unserer ersten Mannschaft. Mit 50% der Punkte hatte er seinen Anteil an unserem Aufstieg 2024. Auch eine Liga weiter oben erwies sich Greini als zuverlässiger Punktesammler und wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Mit 3/7 und 2,5/5 hatte er einen großen Anteil daran, dass wir den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga zweimal schafften. Vor allem mit den weißen Steinen vermochte er es, seinen meist DWZ-mäßig deutlich stärkeren Kontrahenten, große Probleme zu bereiten. Im Londoner System griff er dabei wild am Königsflügel an. Zunächst noch gänzlich ohne Rochade, später rochierte er lang und erhöhte seinen Score so weiter. Immer in Erinnerung bleiben wird mir seine Partie aus der Saison 24/25. Gegen die SG Jeßnitz mussten wir unbedingt gewinnen, um unsere Chance auf den Klassenerhalt zu wahren. Greini wurde dabei zum Matchwinner, er hatte seinen rund 600 DWZ-Punkte stärkeren Kontrahenten völlig überspielt und ein Endspiel mit Mehrfigur erreicht. Mannschaftsdienlich begnügte er sich mit einem halben Zähler, womit wir beim Zwischenstand von 4:1 dem Sieg ganz Nahe waren.
Greini war ein echter Menschenfreund, der sich gern aktiv am Vereinsleben beteiligte. Beim Bowlingabend war er immer vorn dabei. Die Unterstützung beim Fest der Vereine war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Mehrmals kam er auch mit Ideen und Anregungen zur Förderung unseres Nachwuchses auf mich zu. Leider ging ich nie darauf ein. Stets dachte ich, wir hätten noch unendlich viel Zeit, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Zuletzt gab Greini freiwillig seinen Job auf. Er wollte seine Träume leben. Dazu gehörte die Arbeit auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt und ein längerer Aufenthalt in Asien. Nun sollte es den Sommer über mit der Arbeit in den Alpen auf der Mindelheimer Hütte weitergehen. Mit großer Freude erzählte mir Greini von der bevorstehenden Zeit. Ohne Internet, von der Arbeit hoch oben auf der Hütte, von den Wanderungen, die er plante, ein Schachspiel wollte er mitnehmen auf die Hütte. Lieber Michael, ich habe keine Worte für das was passiert ist. Es ist einfach viele Jahre zu früh. Du fehlst!

